Babys niemals schütteln

Kinderchirurgen fordern frühzeitige Aufklärung junger Eltern

Jedes Jahr sterben hierzulande 100 bis 200 Babys an den Folgen eines sogenannten Schütteltraumas. Etwa 400 Säuglinge, die das Schütteln überleben, leiden teilweise lebenslang an schwerwiegenden Schäden des Gehirns. Dass schon wenige Sekunden Schütteln genügen, um Babys lebensgefährlich zu verletzen, ist vielen Eltern nicht bekannt. Auch eine verzögerte Entwicklung und Schwächen in der Schule könnten auf Schütteltraumen zurückgehen, so die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Es wird deshalb eine frühzeitige Aufklärung von Eltern über diese Gefahren gefordert. Das sogenannte „Shaken Baby Syndrom“ ist Gegenstand einer Pressekonferenz der DGKCH am 12. September 2014 im Rahmen der 52. Herbsttagung der DGKCH in Leipzig. Außerdem geht es um andere häufige Schädel-Hirn-Verletzungen im Kindesalter – vom Treppensturz bis hin zum Fahrrad-, Reit- und Skiunfall.

Wenn Babys lange und viel schreien, belastet dies Eltern oft erheblich. Helfen Herumtragen, Windelwechseln und Füttern nicht, verlieren einige Eltern die Nerven und schütteln ihr Kind, um es zu beruhigen. Doch sie bringen ihren Nachwuchs damit in große Gefahr: Da die Muskeln von Säuglingen und Kleinkindern noch nicht stark genug sind, um den relativ großen und schweren Kopf zu halten, pendelt er in dieser Situation ungebremst hin und her. Das zarte, lose gelagerte Hirn prallt dabei von innen gegen die Schädelwand. „Es kommt zu massiven Hirngewebsverletzungen und Einblutungen, die das Gehirn dauerhaft schädigen oder auch zum Tod führen können“, erläutert Professor Dr. med. Guido Fitze, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Dresden. Schwerste geistige und körperliche Behinderungen können die Folge sein.

Wie viele Kinder wirklich auf diese Weise zu Tode kommen oder durch das Schütteln dauerhaft geschädigt sind, ist in keiner Statistik erfasst. „Da diese Form der Kindesmisshandlung weder mit blauen Flecken noch mit anderen sichtbaren Verletzungen einhergeht, können leichtere Formen dieser Verletzung auch unerkannt bleiben“, sagt Fitze. Und so könnte es sogar vorkommen, dass die falsche Diagnose „Plötzlicher Kindstod“ oder „Sturz vom Bett“ gestellt werde und der Fall nie zur Aufklärung komme. „Im Verdachtsfall können wir jedoch mit moderner Diagnostik von Ultraschall, MRT oder anderen spezifischen Untersuchungen die Folgen des Schüttelns genau von anderen Verletzungen unterscheiden“, sagt das DGKCH-Vorstandsmitglied.

Schäden im Gehirn sind oft irreversibel. „Vorbeugung spielt hier deshalb eine besonders große Rolle“, betont Professor Dr. med. Guido Fitze, der Kongresspräsident der Herbsttagung der DGKCH 2014 ist. Dies gilt auch, da Forscher einen Zusammenhang gefunden haben zwischen schweren Kopfverletzungen im Kleinkindalter und schlechteren Leistungen in der Grundschule. „Deshalb sollten Eltern möglichst schon vor der Geburt auf die Gefahren des Schüttelns, aber auch auf die Hilfsangebote bei Schreikindern hingewiesen werden“, betont er. Ebenso müssten behandelnde Ärzte im Klinikalltag genau hinschauen und jeden „Unfall“ im Kindesalter auf mögliche Kindesmisshandlung prüfen.

Wie verletzlich der Kinderkopf ist, erläutern Experten der DGKCH auf ihrer Pressekonferenz am 12. September in Leipzig. Sie geben Tipps, wie Eltern, Erzieher und Kinder Unfälle und Verletzungen im Kinder- und Jugendalter vermeiden und berichten über neueste Therapiekonzepte.

Quelle: Pressemitteilung der DGKCH vom 03.09.2014

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