Die Eichenprozessionsspinner – ihre Bedeutung für die Kita

Erfreulicher Weise haben viele Kitas schöne naturnahe Außengelände oder sind sogar „Waldkindergärten“. Leider kann das aber auch mit Gefahren verbunden sein, die sich aus dem seit einigen Jahren gehäuften Auftreten des „Eichenprozessionsspinners“ (EPS) ergeben. Der Name leitet sich aus dem Verhalten dieser kleinen Raupen ab, die sich in Scharen auf Nahrungssuche begeben und dabei Eichenblätter bevorzugen. Die Raupenkolonien bilden dann in Astgabeln und im Stammbereich von Eichen sogenannte Gespinstnester. Diese enthalten Hüllen und Häutungsreste. Je nach Witterung sind die Raupen oft schon im Mai so weit entwickelt, dass sie feine Härchen tragen, die bei leichter Berührung brechen und ein Nesselgift freisetzen. Mit dem Wind können diese Brennhaare auch in die Umgebung getragen werden.

Gefährlich für den Menschen sind sehr schnell auftretende allergische Reaktionen durch Kontakt mit diesen Brennhaaren des EPS. Haut, Schleimhäute, Augenbindehäute und Luftwege können betroffen sein. Im letzten Fall sind Personen mit vorbestehenden Atemwegserkrankungen wie z.B. Asthma besonders gefährdet.

Was ist zu tun, wenn Sie den Befall von Bäumen im Spielbereich mit dem Eichenprozessionsspinner vermuten (3, 4)?

Halten Sie sich und die Kinder von der Stelle und dem näheren Umkreis fern. Benachrichtigen Sie unverzüglich den Träger Ihrer Einrichtung oder kontaktieren sie selbst direkt Ihre Stadt- oder Kreisverwaltung. Grundsätzlich wird das Ordnungsamt tätig, sowohl was die Klärung des Verdachts evtl. mithilfe hinzugezogener Experten betrifft, als auch was die Risikoeinschätzung und die Beseitigung der Gefahrenquelle angeht.

Der Träger Ihrer Einrichtung sollte auf jeden Fall involviert werden, da er sowohl für den Gesundheitsschutz von Ihnen als  pädagogischen Mitarbeitern als auch für den der betreuten Kinder verantwortlich ist.

Wie geht die Bekämpfung vonstatten?

Sie ist ausschließlich Fachleuten zu überlassen, die in der Regel vom Ordnungsamt beauftragt werden. Auch die Auswahl der angemessenen und wirksamsten Methode erfordert Professionalität. Infrage kommen Absaugverfahren unter Einsatz von Filtern, ggf. von Hubsteigern heraus. Der Einsatz eines gezielt wirkenden Pflanzenschutzmittels ist häufig möglich und sinnvoll. Gleich welche Methode zum Einsatz kommt, Menschen ohne Schutzkleidung sollten währenddessen und eine Weile danach den Einsatzbereich unbedingt meiden. Fenster sind währenddessen zu schließen. Detailliertere Angaben werden Ihnen die Fachleute vor Ort in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation machen (3). Am sinnvollsten ist es natürlich, die Bekämpfungsmaßnahmen während der Schließungszeit durch zuführen – aber auf jeden Fall zeitnah.

Was ist zu unternehmen, wenn Kontakt mit Brennhaaren des EPS anzunehmen ist?

In diesem Falle empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

  • sichtbare Brennhaarhäufungen mit Klebestreifen / Tesafilm von der Haut entfernen;
  • Kleidung komplett wechseln;
  • Haare und gesamten Körper abduschen;
  • Augen mit kaltem Wasser und zur Nase hin ausspülen.

Die Eltern sollten umgehend informiert werden und die Gelegenheit bekommen, zeitnah ihr Kind bei einem Kinder- und Jugendarzt vorzustellen. Dies gilt insbesondere dann, wenn eine allergische Vorbelastung bekannt ist.

Was ist zu tun, wenn Allergiesymptome* bei Kindern oder Kollegen auftreten, nachdem sie Kontakt mit einem verdächtigen Gespinstnest oder in seiner Umgebung hatten?

*Haut: Juckreiz, Rötungen; Atemwege: erschwertes Atmen; Augen: Jucken, Rötung der Bindehäute

Bei Allgemeinsymptomen, wenn die Atemwege betroffen sind und bei sich schnell ausbreitenden Hauptsymptomen ist unverzüglich ein Arztkontakt herzustellen. Insbesondere bei allergischer Vorbelastung kann sich die Symptomatik rasch verschlechtern, zögern Sie in dieser Situation also nicht und handeln Sie rasch und zielstrebig, ohne das Kind zu beunruhigen. Für diese Situationen werden Sie über Notfallpläne und ggf. über individuelle Angaben des betreuenden Arztes und seine Kontaktdaten verfügen.

 

Hinweise und Quellen:

  1. Webportal Allum: Allergie, Umwelt und Gesundheit: allum.de, Rubrik Stoffe -und-Auslöser, Unterrubrik Eichenprozessionsspinner (sehr gutes Fachportal mit weiterführenden, hilfreichen Informationen)
  2. Rahlenbeck S, Utikal, Dtsch. Ärzteblatt 2017: 114(18): A-896/B-754/ C 738: Eichenprozessionsspinner-Allergie: Raupen mit reizenden Brennhaaren
  3. Niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz, Wirtschaftsministerium, Übersetzung aus dem Niederländischen: Leitfaden zur Eindämmung des Eichenprozessionsspinners, Aktualisierung 2013 (sehr umfangreich; mit dem Akzent auf Bekämpfung; enthält aber die besten Fotos, um sich im Verdachtsfall zu orientieren)
  4. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/faq_eichenprozessionsspinner.pdf

Dr. Ulrike Horacek
Leiterin des Gesundheitsamts Kreis Recklinghausen

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