Für mehr Chancengerechtigkeit in Kita und Grundschule

Der Ruf nach mehr Gerechtigkeit in Deutschland ist in aller Munde. Doch wo ansetzen, um wirksam und langfristig dazu beizutragen? „Wer mehr Gerechtigkeit will, muss bereits in Kitas und Grundschulen damit anfangen“, sagt Johannes Freund von Save the Children, der das Programm „3×1 macht stark!“ leitet. „Deshalb haben wir von 2013 bis 2017 von Neumünster bis Freiburg in 67 Einrichtungen mit mehr als 16.000 Kindern gearbeitet – finanziell unterstützt durch die Postbank“, so Freund. „Wichtig ist, dass die Einrichtungen gut mit den Familien zusammenarbeiten. Denn Distanz gegenüber Kita und Schule wird oft von den Eltern geerbt.“ Das praktische Ergebnis: Eine umfangreiche multimediale Materialsammlung für Lehrer und Erzieher zur Zusammenarbeit mit den Eltern ist entstanden. Sie gibt Anregungen, wie Bildung und Betreuung weniger Dienstleistung, sondern vielmehr zur gemeinsamen Sache von Kindern, Eltern und Pädagogen wird. Denn, so Freund: „Das ist das Fundament, auf dem Bildung am besten aufgebaut werden kann.“
Ein Schwerpunkt von „3×1 macht stark!“ lag auf Kitas und Grundschulen, in denen viele Kinder aufgrund ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft benachteiligt sind. „Diese Mädchen und Jungen sind am meisten der Gefahr ausgesetzt, den Bildungsanschluss zu verlieren und so Armut und Probleme aus der Elterngeneration weiterzutragen“, so Freund. Nur 44 Prozent der Kinder aus Nicht-Akademiker-Haushalten schaffen nach der Grundschule den Sprung aufs Gymnasium oder die Gesamtschule, bei Akademiker-Kindern sind es 78 Prozent. Weitere Studien zeigen, wie sehr sich mangelnde Bildung, Armut, Benachteiligung und auch schlechte Gesundheit in einem Teufelskreis gegenseitig verstärken. „Der erste Schritt zum Aufbrechen dieser Dynamik ist, Eltern stärker in Kitas und Grundschulen einzubinden – denn je verbundener sie mit den Einrichtungen sind, desto besser können sie auch ihre Kinder fördern“, so Freund.
„Um Bildung zur gemeinsamen Sache von Pädagogen, Eltern und Kindern zu machen, haben wir verschiedenste Projekte erprobt – mit erstaunlichen Erfolgen“, so Freund. „Mit einer Schule in Hameln etwa haben wir einen Nähtreff und Sprachförderungskurse für geflüchtete Mütter ins Leben gerufen, die stattfinden, während die Kinder Unterricht haben.“
In einer Schule im Kölner Bezirk Meschenich haben Lehrer und Eltern die Schulbücherei auf Vordermann gebracht. „Die Väter und Mütter haben sich hier so sehr reingekniet und Spaß an der Sache gefunden, dass sie nun auch die Ausleihe gemeinsam organisieren“, erzählt Freund. Und in Hamburg-Fischbek wurde mit einer Kita und einer Grundschule ein Wasserspielplatz aufgebaut, der ein Dreh- und Angelpunkt für viele weitere Aktionen von Eltern, Kindern und Pädagogen ist. Eine Mutter der Schule fasst ihre Motivation für diese Aktion treffend zusammen: „Ich fühl mich dann näher an meinem Kind.“
„Aber nicht nur durch die einzelnen Projekte wollten wir zu mehr Chancengerechtigkeit beitragen“, so Freund. „Wir haben die dabei gesammelten Erfahrungen gebündelt zu einer multimedialen Materialsammlung mit Videos, Erfahrungsberichten, Checklisten und vielem mehr. Ein Schatz, den wir weiterreichen möchten an Lehrer und Erzieher in ganz Deutschland.
Webseite zum Projekt mit der Materialsammlung: www.kita-mit-eltern-gestalten.de sowie www.schule-mit-eltern-gestalten.de.

Quelle: Pressemitteilung von Save the Children vom 17.9.2017

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