Grundwissen Zusammenarbeit mit Eltern

Simone Hess
Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin 2012
ISBN 978-3-589-24745-5
176 S., 21,50 Euro

Auf hohem Niveau wird das Thema Zusammenarbeit mit Eltern behandelt. Es werden viele Studien zitiert und auf neue Entwicklungen und Erfahrungen hingewiesen, wie zum Beispiel  EEC (early excellence concept). Insbesondere werden auch Familienzentren als zukunftsweisende Form der Kinderbetreuung und Elterneinbeziehung dargestellt.

Die Inklusion, ein wichtiges Thema, wird  ausführlich behandelt und  insbesondere auf die Gesprächsführung mit Eltern behinderter Kinder eingegangen. Es wird aber auch deutlich auf die regionalen Unterschiede in den verschiedenen Bundesländern, wie Inklusion gehandhabt wird, hingewiesen.

Entscheidend ist in jedem Fall, eine Art Erziehungspartnerschaft einzugehen. Wie gelingt es alle Eltern zu erreichen?

Hier werden Methoden beschrieben wie z.B. die Durchführung eines Interviews der Eltern mit vorgegebenen Fragen, Protokoll und Auswertung.  Über allem steht ein wertschätzender Umgang und ein gutes Zuhören ohne Wertung.

Eine weitere Möglichkeit, Eltern gut mit einzubeziehen, ist die Dokumentation des Verhaltens des Kindes in der Einrichtung, um dies als Grundlage für ein Gespräch mit den Eltern zu nehmen. Wichtig ist es gerade die Eltern zu erreichen, die von sich aus nicht das Gespräch suchen. Daher ist das Angebot, generelle und regelmäßige Gespräche zu führen, empfehlenswert. Neben Einzelgesprächen sind Hausbesuche, Elternabende zu verschiedenen Themen, moderierte Gesprächskreise, Elternkurse, Elterncafe, Elterngruppen, Elternabendgestaltung sinnvoll. Gut sind auch themenbezogenen Elternabende, z.B. Ernährung, Bindungstheorie, Medienkompetenz, Trotzphase. Am besten ist ein fachkompetenter  Input und dann eine moderierte Diskussion.

Ausführlich wird auf die Bindungstheorie und Interaktion eingegangen.

Ein Beitrag nimmt auch die Bedeutung des Spieles vor allem unter entwicklungspsychologischer Sicht  in den Blick. Erinnerungen an die eigene Kindheit werden wach und können genutzt werden, eine Brücke zwischen Erzieherinnen und Eltern  zu bauen.

Als besondere Elterngruppen werden berücksichtigt:
Bildungsferne Eltern, Eltern mit Migrationshintergrund und Eltern behinderter Kinder.

Wenn Eltern in einer solchen Lage sind, ist eine besondere Sorgfalt und ein hohes Maß an Kommunikationskompetenz der ErzieherInnen notwendig. Ziel sollte sein, diese Eltern in das Bildungskonzept mit einzubeziehen.

Neben den klassisch pädagogischen Methoden wird auf die Bedeutung des Erzählens hingewiesen. Die ErzieherInnen sollten Interesse an der Erzählung der Eltern zeigen, wenn diese von sich oder dem Umfeld der Kinder berichten. Hier werden die besonderen Lebenswelten der Kinder  erkannt und können berücksichtigt werden (z.B. Alleinerziehende, Migration, Armut etc.)

Das veränderte Vaterbild  und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden erwähnt und  flexible Betreuungsmodelle beschrieben. Besondere Aufmerksamkeit und  Bedeutung kommt auch den Übergängen von zu Hause oder Krippe in die Kita und von der Kita in die Schule zu. Auch hier sind gute Gesprächsangebote für alle Beteiligen wichtig.

Dies ist ein strukturierter, ausführlicher Ratgeber für ErzieherInnen, der gut darstellt,  wie Elternarbeit gelingen kann. Es werden wertvolle Tipps  mit praktischen Beispielen gegeben.

Er ist  auch für Träger von Kindertagesstätten geeignet.

Nicht berührt werden neue Familienformen wie Patchwork-Familien oder gleichgeschlechtliche Partnerschaften und  auch Flüchtlingsfamilien.

Die Diversität unserer Gesellschaft ist nicht ganz abgebildet, dies stellt aber doch  zunehmend besondere Anforderungen an die Einrichtungen.

Dr. Birgit Schmidt-Lachenmann, 03.02.2014

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