Immer kürzere “Väter-Zeit”

Immer mehr Väter beantragen das Elterngeld, aber immer häufiger nur für den Mindestzeitraum von zwei Monaten. So das Statistische Bundesamt in einer Pressemeldung.

29,3 % der Väter von Kindern, die im zweiten Vierteljahr 2012 geboren worden waren, haben das Kindergeld beantragt.  Für im zweiten Vierteljahr 2009 geborene Kinder lag die Väterbeteiligung noch fast 6 Prozentpunkte niedriger, nämlich im Bundesdurchschnitt bei 23,4 %. 

Am häufigsten bezogen nach wie vor Väter in Sachsen (37,9 %) Elterngeld, gefolgt von Bayern mit 37,5 %. Diese Länder gewannen in den letzten drei Jahren bei der Väterbeteiligung auch nochmals deutlich hinzu (Bayern: + 7,4 Prozentpunkte; Sachsen: + 7,2 Prozentpunkte). Spitzenreiter im Anstieg war allerdings Baden-Württemberg, wo die Väterbeteiligung in der genannten Zeit von 23,9 % auf 32,5 %, also um 8,6 Prozentpunkte zunahm. Schlusslichter bei der Väterbeteiligung waren im zweiten Vierteljahr 2012 das Saarland mit 18,2 %, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 22,0 % sowie Sachsen-Anhalt (22,6 %) und Bremen (22,7 %).  

Ein Zeichen für die wachsende Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit?

Der Anteil der Väter allerdings, die nur die Mindestdauer von zwei Monaten in Anspruch nahmen stieg um mehr als drei Prozent auf 78,3 Prozent.

Die Bereitschaft der Väter, überhaupt in Elternzeit zu gehen, liegt also nach wie vor im Trend. Offensichtlich ist aber auch der Druck gewachsen, diese Zeit für die Familie so knapp wie möglich zu halten. Die Frage nach dem “warum?” kann von den Statistikern nicht beantwortet werden. Studien, die dieses Phänomen untersuchen, gibt es nicht.

Dieser Widerspruch in der Trendentwicklung ähnelt anderen Widersprüchen in den Ansichten und Handlungen der Eltern zur Betreuung ihrer Kinder. So steht regelmäßig bei Eltern-Umfragen der Wunsch nach “mehr Zeit für die Familie/Kinder” an erster Stelle, gleichzeitig aber schnellt der Anteil der Kinder unter drei Jahren in Ganztagsbetreuung seit Jahren steil nach oben und das Eingangsalteralter sinkt. Die Abstände zwischen Wunsch und sozialer wie wirtschaftlicher Realität scheinen sich ständig zu vergrößern.

Quelle: Newsletter der Stiftungsinitiative für Kinder vom 11.01.14

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