Kinder psychisch kranker Eltern stärken – Informationen für Eltern, Erzieher und Lehrer

von Albert Lenz und Eva Brockmann
Hogrefe Verlag, Göttingen, 2013
ISBN978-3-8017-2420-7
159 Seiten; 16,95 Euro

Psychische Erkrankungen sind in der Gesamtbevölkerung häufig, auch unter Eltern. Man schätzt, dass etwa 3 Mio. Kinder im Verlaufe eines Jahres eine psychische Störung eines Elternteils erleben, ca. 250 Tsd. haben Eltern, die sich in psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung befinden, bei 175 Tsd. Kindern wird im Verlauf eines Jahres ein psychiatrisch kranker Elternteil stationär behandelt.

Die Kinder dieser Eltern sind vielfältigen Unsicherheiten und Belastungen ausgesetzt. Das Buch von Lenz und Brockmann bietet vielfältige Anregungen, Kinder psychisch kranker Eltern zu stärken.

Im einführenden Kapitel werden in einem kurzen Abriss häufige psychische Erkrankungen, das Erkrankungsrisiko betroffener Kinder, Fragen der Verursachung durch genetische und Umweltaspekte und des kindlichen Erlebens dargestellt.

Im zweiten Abschnitt des Buches wird, ausgehend vom Begriff der Resilienz (=Fähigkeit, in Belastungssituationen persönliche Eigenschaften einzusetzen, um negative Auswirkungen und gesundheitsschädliche Folgen abzupuffern) dargestellt, was resiliente Kinder auszeichnet. Persönliche, familiäre und soziale Schutzfaktoren werden benannt und erläutert, auch spezifische Schutzfaktoren für Kinder psychisch kranker Eltern.

Im dritten Abschnitt des Buches werden praktische Hinweise gegeben, wie die Resilienz von Kindern gefördert werden kann. Wesentliche Ansatzpunkte sind: Sicherheit, feinfühliges Verhalten, Bindung, Lob und Anerkennung, Selbstwirksamkeitserfahrung, Kontakte zu Anderen, Unterstützung durch Andere (Paten, ggf. mittels eines Krisenplans) sowie Informationen des Kindes über die psychische Erkrankung des Elternteils und professionelle Unterstützungsmöglichkeiten.

Das abschließende kurze Kapitel beschäftigt sich mit speziellen Hinweisen für Lehrer und Erzieher. Typische, wenn auch nicht spezifische Verhaltens- und Gefühlsäußerungen von betroffenen Kindern und mögliche pädagogische Maßnahmen, der Umgang mit Eltern, Fragen der persönlichen Einstellung und Möglichkeiten fachlicher Unterstützung werden dargestellt.

Das Buch ist leicht lesbar, ohne ungebührlich zu vereinfachen. Es stellt die positiven Aspekte von Elternschaft und Kindererziehung auch für psychisch kranke Eltern sowie deren Kinder dar und betont den resourcenorientierten Ansatz, der Kindern hilft, mit vielfältigen Belastungen in ihrer familiären und Lebenssituation zurecht zu kommen. Merksätze, Beispiele, Formulierungshilfen für Gespräche und Hintergrundwissen werden textlich übersichtlich und prägnant hervorgehoben im auch sonst gut gegliederten Buch.

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf Informationen für Eltern, ein spezieller Abschnitt für Erzieher und Lehrer ist mit etwa 20 Seiten am Schluss eher kurz gehalten. Zweifellos sind für Erzieher und Lehrer auch die vorher hauptsächlich an die Eltern adressierten Informationen nützlich. Allerdings werden Probleme in der Betreuung von Kindern durch psychisch kranke Eltern aus Sicht des Rezensenten für Erzieher und Lehrer schwerpunktmäßig unter dem Aspekt der positiven Handlungs- und Bewältigungsmöglichkeiten dargestellt. Kritische und problematische Situationen, die Kinderschutzmaßnahmen erforderlich machen, werden nur gestreift. Hier fehlen Beispiele, wann Kinderschutzmaßnahmen zu erwägen und wann sie unausweichlich sind.

Trotz dieser Einschränkung ist das kleine Buch empfehlenswert, auch wegen seiner positiv humanen Haltung gegenüber diesen häufig stigmatisierten und vielfältig benachteiligten Eltern und Kindern.

Prof. Dr. med. H. Bode

Print Friendly, PDF & Email