Windpocken (Varizellen) und Gürtelrose (Herpes zoster)

Windpocken (Varizellen)

Gut zu wissen

Windpocken sind 1-2 Tage vor Auftreten des Ausschlages ansteckend und in der Regel 5 Tage danach, solange frische Bläschen bestehen.

Ungeimpfte Kontaktkinder können bei Impfung innerhalb der ersten 5 Tage geschützt werden.

Rechtzeitige Impfung ist für alle Kinder zu empfehlen.

Bei Verdacht auf mögliche Infektion in der Tagesstätte oder Gruppe:

  • Alle informieren, Impfstatus überprüfen
  • Ungeimpfte Kontaktpersonen ab 7. Tag nach Kontakt – also vor Beginn der manifesten Erkrankung – von der Kita bzw. der Gruppe fernhalten
  • Mütter von ungeimpften Kindern von der Sinnhaftigkeit einer aktiven Impfung überzeugen.

Ursache

Varizella-Zoster-Viren (VZ-Viren gehören zu der Gruppe der Herpesviren).

Übertragung

Sehr ansteckend, fast jeder Kontakt mit einer erkrankten Person führt zur Ansteckung.

Tröpfcheninfektion, zum Beispiel durch Husten und Niesen, Einatmen des virenhaltigen Tröpfcheninhaltes. Tröpfchen können einige Minuten in der Luft schweben; Infektion über größere Entfernung (einige Meter) sind möglich, daher kommt auch der Name WINDpocken.

Symptome und Verlauf

Windpockenausschlag. Gleichzeitig sind Bläschen mit wässrigem Inhalt und (links) eine Pustel mit vereitertem Inhalt zu sehen.

Windpockenausschlag. Gleichzeitig sind Bläschen mit wässrigem Inhalt und (links) eine Pustel mit vereitertem Inhalt zu sehen.

Eine bis drei Wochen nach der Ansteckung (sog. Inkubationszeit) treten in der Regel leichtes Fieber und Abgeschlagenheit auf.

Bald entwickelt sich ein Hautausschlag mit Papeln, die sehr bald in das Bläschenstadium übergehen und schließlich verkrusten. Der Ausschlag beginnt im Gesicht und am Körper und breitet sich anschließend auch auf Arme und Beine aus. Auch die Schleimhäute und die behaarte Kopfhaut können betroffen sein.

Typisch für Windpocken ist, dass der Ausschlag in verschiedenen Stadien gleichzeitig vorhanden ist (frische Papeln und Bläschen, vereiterte Bläschen [Pusteln] und verschorfte Bläschen). Wegen des „bunten“ Bildes spricht man vom „Sternhimmel“.

In der Regel heilen Windpocken problemlos nach mehrtägigem Krankheitsverlauf ab. Mitbefall anderer Organe (Gehirn, Leber, Herz, Gelenke) ist möglich, aber selten.

Behandlung

Windpockenausschlag an den ersten Tagen der Erkrankung.

Windpockenausschlag an den ersten Tagen der Erkrankung. Man sieht nebeneinander gerade aufschießende Pusteln, und Bläschen in verschiedenen Ausprägungsstadien, (noch) keine vereiterten Bläschen (Pusteln) oder Verkrustungen.

Der Hautausschlag wird lokal behandelt; bei Fieber ist Ruhe gut.

Die mögliche kausale Behandlung Aciclovir (das gegen Viren so wirkt wie ein Antibiotikum gegen Bakterien) kommt nur bei besonderer Gefährdung in Frage (z B. bei Abwehrschwäche) und muss alsbald nach der Infektion begonnen werden.

Weitere Hinweise

Besonderheiten während der  Schwangerschaft; Impfung

Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft an Windpocken erkrankt sind, können  am fetalen Varizellen-Syndrom leiden, bei dem vor allem Haut, Hirn und Augen sowie weitere Organsysteme betroffen sein können.

Neugeborene sind hochgradig gefährdet, wenn die Mutter in den letzten fünf Tagen vor bis zwei Tage nach der Entbindung an Windpocken erkrankt.

Alle Kinder sollten beizeiten die weitgehend nebenwirkungsfreie Impfung erhalten.

Gürtelrose (Herpes zoster)

Die Gürtelrose wird durch die gleichen Viren verursacht, die auch für die Windpocken verantwortlich sind.; diese Erkrankung kann nach vielen Jahren auftreten, wenn im Körper verbliebene oder neu hinzugekommene VZ-Viren wieder aktiv werden.

Es handelt sich um eine fast immer einseitige Nervenentzündung (Neuritis), die mit erheblichen Schmerzen, Bläschenbildung und oft schweren, langanhaltenden Allgemeinsymptomen einhergeht.

Empfängliche Kontaktpersonen (ohne Windpockenvorerkrankung und ungeimpft) können sich bei Zoster-Erkrankten anstecken und Windpocken bekommen.

Gürtelrose im Ausbreitungsgebiet eines Hautnerven, typischerweise die Mittellinienicht überschreitend. Hautläsionen mit Blasen und Krusten

Gürtelrose im Ausbreitungsgebiet eines Hautnerven, typischerweise die Mittellinienicht überschreitend. Hautläsionen mit Blasen und Krusten.

Gürtelrose im Ausbreitungsgebiet eines Hautnerven, bis zu Mittellinie reichend.

Gürtelrose im Ausbreitungsgebiet eines Hautnerven, bis zu Mittellinie reichend.

 

Autor:
Prof. Dr. med. Karl Ernst von Mühlendahl, Kinderumwelt gGmbH

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