Der Empfehlung, das Kind bei Temperatur >38 Grad C, häufigem Husten, einmal Durchfall morgens, nicht mehr transparentem, sondern “farbigem” Schnupfen zu Hause zu lassen, kann ich so nicht folgen.

Die von der Erzieherin genannten Kriterien sollen, so denke ich, mehr orientierende Empfehlungen sein und vereinfacht „operationalisieren“.

Wann ein Kind krank ist und somit auch nicht vom Besuch der KiTa profitiert, sollte eigentlich eine natürliche und individuelle Einschätzung der Eltern bleiben dürfen, denn diese kennen ja ihr Kind am besten (und wissen auch, dass ihr Kind auch schon mal bei 38,5 Grd. Fieber noch recht munter ist). Aber diese intuitive Einschätzung fällt den heutigen Eltern zunehmend schwer, wird nicht zugelassen aus Unsicherheit oder aus dem Versuch, alles zu messen / objektivieren/bis hin zu verwissenschaftlichen. Natürlich muss auch ein Plan B für die akute Betreuung des Kindes im Krankheitsfall vorhanden sein, wenn beide Eltern berufstätig sind.

Wann ein Kind hochansteckend sein mag und dadurch andere gefährdet, muss natürlich nicht unbedingt mit dem allgemeinen Krankheitsgefühl oder Höhe des Fiebers oder ml-Menge des Nasensekretes korrelieren. Auch der farbige, sprich wohl eitrige Schnupfen per se muss ja auch nicht gleich zum Ausschluss vom Kiga.Besuch führen. Alles ist natürlich abhängig von der Art der Einrichtung, dem Platzangebot, vor allem dem Alter, dem Verständnis und der Grundkonstituion des Kindes, von der Erzieher-Aufmerksamkeit (und der Möglichkeit, diese zum Einsatz zu bringen). Räumliche Enge durch crowding begünstigt nachgewiesenermaßen natürlich auch Übertragung von Erregern. Hinzu kommt, dass ein Kind im Alter von drei Jahren naturgemäß 5-6 Infekte pro Jahr mit eingeschränktem Allgemeinzustand durchmacht.

Feste Regeln gibt es für die Wiederzulassung nach bestimmten ansteckenden Krankheiten, aber darum geht es ja bei Ihrer Anfrage nicht.

Viele Einrichtungen bzw. deren Träger sind dazu übergegangen, „Spielregeln“ im Umgang mit Krankheiten der Kinder, Symptomen für Ansteckungsfähigkeit etc., im Aufnahmevertrag festzuhalten und von den Eltern mit unterschrieben zu lassen. Auch der Nachweis eines altersentprechenden Impfschutzes wird an einigen Stellen gefordert.

Ich würde Sie da ermutigen, Kontakt aufzunehmen, hoffe aber, dass ich Ihnen zumindest einiges zu Ihren Fragen vermitteln konnte.

Dr. Ulrike Horacek
Leiterin des Gesundheitsamts Kreis Recklinghausen

Print Friendly, PDF & Email