Rahmenhygieneplan für die Kita – Hygienestandards erfolgreich umsetzen

Verlag Carl Link
diakonia inhouse
1. Auflage 2014

Adressaten des Buches sind pädagogische Fachkräfte, Kita-Leitungskräfte und Träger von Kindertageseinrichtungen, Herausgeber ist die Firma diakonia inhouse: Diese entwickelt und vermittelt seit 2001 Standards und Empfehlungen zur Hygiene in Kitas und führt nach eigenen Angaben die gesamte Hauswirtschaft in Münchner Kindertagesstätten durch.

Mehr als die Hälfte der Broschüre befasst sich mit dem Thema Küchen- und Lebensmittelhygiene. Diese Thematik ist klar strukturiert, wird recht konkret dargestellt und mit vielen Checklisten, Dokumentationsvorlagen und Handlungsanleitungen unterlegt.

Besonders ansprechend sind die Wochenspeisepläne, abgestellt auf das vom Forschungsinstitut für Kinderernährung propagierte Optimix-Konzept und den nationalen Aktionsplan INFORM zur Prävention von Übergewicht und Fehlernährung. Rezepte für kleinkindgerechte, in der Kita praktikabel herstellbare Speisen nehmen einen großen Raum ein und motivieren zum Nachkochen. Es finden sich aber auch Checklisten, nach denen Träger, wenn Fremdverpflegung favorisiert wird, Caterer auswählen und bewerten können.

Der Zunahme sehr junger Kinder in der Kita geschuldet ist ein Kapitel erfreulicher Weise dem Umgang mit Muttermilch gewidmet.

Zu den weiteren Anwendungsbereichen von Hygiene ist die Broschüre eine gute Materialsammlung mit vielen praxistauglich erscheinenden Dokumentationsvorlagen. Allerdings muss angemerkt werden, dass weit mehr auf Verhältnis- als auf Verhaltensprävention abgestellt wird. Die Umsetzung von Hygienemaßnahmen wird umso konsequenter und dauerhafter erfolgen, je besser das Grundverständnis für ihre Sinnhaftigkeit vermittelt wurde. Es geht ja nicht nur um striktes Befolgen von Hygieneplankriterien, sondern auch und vor allem um Vorgänge und Prozesse. Insofern könnte eine alternative oder ergänzende Konzeption so angelegt sein, dass man die Hygieneanforderungen „verrichtungsbezogen“ beschreibt: was ist beim Windelwechsel, was bei Zähneputzen zu beachten etc.

Die Zusammenstellung des Maßnahmenkatalogs bei Infektionskrankheiten einleitend, wird hervorgehoben, dass die folgenden Informationen nicht die ärztliche Beratung ersetzen sollen. An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass gerade das Management von Infektionskrankheiten in Einrichtungen eine Domäne des öffentlichen Gesundheitsdienstes ist. Insofern ist in den meisten Bundesländern das Gesundheitsamt z.T. überwachender, aber auch beratender und unterstützender Partner in Hygienefragen. Mit welchen Mitteln die Weiterverbreitung eines Erregers im besonderen Setting der Kita eingedämmt werden kann, d.h. wie Kinder und Personal und deren Familien möglichst effektiv geschützt werden können, bedarf einer sehr umfassenden fachlichen Analyse. Dafür sind in den meisten Bundesländern die Gesundheitsämter die gesetzlich vorgesehenen Einrichtungen zur Überwachung, zur Beratung-und zum Management darstellt. Für Fragen der Küchen- und Lebensmittelhygiene sind dies die Veterinärämter.

Optimierungsvorschläge:

  • Wenngleich der Umfang der Broschüre überschaubar ist, wäre ein Inhalts- oder Stichwortverzeichnis hilfreich.
  • Bei den Quellen sollten die konkreten Paragraphen der angesprochenen Gesetze benannt werden (IfSG, LMHV, Biostoffverordnung, Arbeitsschutzgesetz).
  • Auf Seite 5 sollte nicht nur § 4 der Lebensmittelhygieneverordnung zitiert werden, sondern auch unbedingt der einschlägige § 43 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Der Bundesgesetzgeber schreibt hier eine Erstbelehrung für den angesprochenen Personenkreis vor, die durch das Gesundheitsamt zu erfolgen hat und in Verantwortung des Arbeitgebers jährlich aufgefrischt werden muss.
  • Auf Seite 14 sollte die Passage unter der Abbildung zur ärztlichen Diagnose ersetzt werden durch die (gesetzeskonforme) Formulierung: wenn nach ärztlichem Urteil keine Weiterverbreitung zu erwarten ist.
  • Nicht so leicht nachvollziehbar sind einige Richtwerte für die Waschfrequenz, so z.B. für Kissen und Schlafdecken 1 x jährlich oder für Schlafbekleidung in der Krippe wöchentlich und in der Kita 14-tägig.
  • Es gibt kreative und zielführende Wege, auch kleinen Kindern schon die Bedeutung des gründlichen Händewaschens zu veranschaulichen (siehe auch Hinweis auf der Plattform), die man auf S. 16 ergänzend anführen könnte.
  • Der Hinweis, dass eine Waschmaschine mit Bioindikator auszustatten ist, wird ohne konkrete Umsetzungshilfe schwierig umzusetzen.
  • Bei der Definition von „Desinfektionsmitteln“ auf S. 58 sollte die „Zulassung“ näher ausgeführt werden: nach § 18 (1 und 2) dürfen nur Mittel und Verfahren zur Anwendung kommen, die vom Robert-Koch-Institut als Bundesoberbehörde festgelegt, gelistet und im Bundesgesundheitsblatt bekannt gemacht worden sind.

Dr. med. Ulrike Horacek

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